KI-Dokumentation ist mehr als Transkription
Maja Dobelsek, Oberärztin i. V. bei Psychiatrie St. Gallen, fasst in einem LinkedIn-Post einen Artikel aus The Lancet Psychiatry anschaulich und übersichtlich zusammen. Sie schreibt:
(…) Aktuelle KI-Dokumentationstools übernehmen häufig gleichzeitig drei sehr unterschiedliche Aufgaben:
Narrative Synthesis: Was wurde im Gespräch berichtet?
Observational Inference: Was lässt sich zum psychopathologischen Befund ableiten?
Diagnostic Reasoning: Welche diagnostische Einschätzung und welcher Behandlungsplan folgen daraus?
Das Problem:
Diese Schritte benötigen unterschiedliche Daten und unterschiedliche klinische Kontrolle. Werden sie in einem System vermischt, können sich Fehler von der Dokumentation bis zur diagnostischen Einschätzung fortsetzen. (…)
Was könnte helfen?
Kliniker:innen: eigene Einschätzung bilden und zusätzlich diktieren, bevor der KI-Entwurf gelesen wird, und nicht erfassbare Beobachtungen explizit dokumentieren/diktieren.
Entwickler:innen: sichtbar machen, welche Inhalte direkt aus dem Gespräch stammen und welche von der KI inferiert wurden – und Felder unterdrücken, für die keine ausreichende Datengrundlage besteht.
Organisationen: Transparenz und Einwilligung nicht nur auf die «Aufzeichnung», sondern auf den tatsächlichen Funktionsumfang der KI beziehen.
Die entscheidende Frage ist vielleicht nicht mehr nur: «Wie gut dokumentiert die KI?»
Sondern: «An welcher Stelle beginnt sie, klinisch zu denken?»
Quelle: https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7502357267552432128/
Artikel: https://www.thelancet.com/journals/lanpsy/article/PIIS2215-0366(26)00201-4/abstract